„Wenn ich was mache, dann mache ich es auch richtig“! Interview mit DSV-Präsident Marco Troll

Im November 2020, mitten in der Corona-Pandemie, fand die online Wahl zum neuen Präsidenten des Deutschen Schwimmverbandes (DSV) statt. Der Freiburger Marco Troll trat an und wurde gewählt. Das Leben des gebürtigen St. Georgeners hat sich seitdem verändert. An den Wochenenden und abends nach der Arbeit als Polizeibeamter im Einsatztraining gibt es digitale Zoom-Konferenzen. Nach zwei Jahren, in denen der Präsidentenposten nicht besetzt war, wartet nun einiges an Arbeit für Marco Troll und sein neues Team dreier Vizepräsidenten aus ganz Deutschland. An Vereinserfahrung mangelt es ihm nicht. Seit frühester Jugend war er als Sportbegeistertes Mitglied in verschiedenen Vereinen, bis er dann Leistungssportler, später dann Funktionär beim Schwimmverband wurde.

Seit März 2019 ist Marco Troll im Vorstand des Bürgervereins und arbeitet seitdem vor allem in der AG Öffentlichkeitsarbeit. Nicht verwunderlich, dass er als langjähriger Vereinsaktiver seinen Platz im Vereinsgefüge mit Leichtigkeit fand.

Für den Bürgerverein (BV) unterhielt sich Andrea Engler mit Marco Troll.

 

BV: Wie bist du zum Schwimmen gekommen, was ist deine eigene „Schwimm“Geschichte?

Marco Troll: Ich bin hier aufgewachsen, lebe seit 59 Jahren in St. Georgen. Ich kenne viel Menschen hier, bin total verzahnt hier.

Meine Schulzeit habe ich in St. Georgen und Freiburg verbracht. Die sportliche Verbundenheit wurde begründet im Turnverein St. Georgen zunächst durch Turnen, dann kam die Leichtathletik dazu. Im Anschluss daran dann der Fußball beim FC St. Georgen. Mich hat dann mein Sportlehrer Hans Gauke angesprochen, der im Marienbad eine SchwimmAG angeboten hat. Dienstag 13 Uhr, weiß ich noch. Den habe ich gehabt beim Handball, Leichtathletik,…der hat mich gefragt, ob ich dazukommen möchte. Dann bin ich 25 m gekrault, mehr oder weniger. Gauke war Übungsleiter beim SSV Freiburg. Nach diesem Schwimmen hat er mich gefragt, Hättest du nicht mal Lust, bei mir am Freitagabend in der Gruppe vorbeizuschauen. Das war die Brücke zum Schwimmverein. Der hat mir die Technik beigebracht, und so bin ich 1974 zum Schwimmen gekommen.

Zuerst war Schwimmen und Fußball noch parallel, irgendwann war Schwimmen jeden Tag, dann ging‘s nicht mehr. Ich habe mit dem Fußball aufgehört. Hätte mich der Sportlehrer Gauke nicht angesprochen, dann wäre ich nicht zum Schwimmen gekommen.

BV: Du warst selbst viele Jahre aktiver Schwimmer, auch Wettkampfsportler. Gut?

Marco Troll: (lacht) Für die damaligen Verhältnisse war ich zufrieden. Ich habe es immerhin in die Finale bei Deutschen Jahrgangsmeisterschaften geschafft und war mehrfach Polizei-Europameister.

BV: Du warst immer im Verein, immer aktiv. Und du warst Kampfrichter und Funktionär im Badischen Schwimmverband.

Marco Troll: Der Schwimm-Sport-Verein Freiburg (SSVF) war und ist immer noch mein Heimatverein, später habe ich die Leitung des Badischen Schwimmverbandes (BSV) übernommen. Einige Zeit stand ich der Abteilung „Sport“ im BSV als Vizepräsident vor.

Meine ehrenamtlichen Aufgaben begannen schon mit 16 Jahren als Übungsleiter für Kinder und Jugendliche im SSV. Anschließend war ich 16 Jahre lang Technischer Leiter. Deshalb kenne ich die Belange eines Vereines und auch die Schwierigkeiten, die schönen Seiten und die schlechten Seiten.

Ich war dann Sachbearbeiter für Mannschaftswettkämpfe, das war mein Sprung in den Schwimmverband. Daraufhin wurde ich angesprochen, ob ich nicht das Vize Amt Abteilung Sport machen möchte. Als der damalige Präsident des BSV sein Amt abgegeben hatte wurde ich direkt gefragt, ob ich das übernehmen wollte. Das war vor 9 Jahren. Das bin ich immer noch, da wir wegen Corona keinen Verbandstag durchführen konnten.

BV: Der Chefsessel des DSV war zwei Jahre vakant. Die damalige Präsidentin war zurückgetreten, weil die geforderten Beitragserhöhungen keine Zustimmung fanden. Dein neues Team setzt sich aus Vertretern verschiedenster Verbände deutschlandweit zusammen. Wie kamst du zu diesem Entschluss, dich zur Wahl zu stellen?

Marco Troll: Meine Entscheidung ist länger gereift, das war kein spontaner Entschluss. Zunächst einmal gilt für mich, Verantwortung zu übernehmen. Der DSV hatte zwei Jahre lang keine Stimme gehabt.

Ich habe viel Erfahrung in der Vereinsarbeit und möchte mit einer konstruktiven Arbeit die vorhandenen Konflikte angehen. Wir haben 18 Landesverbände in Deutschland, die zusammengeführt werden müssen. Es kann nicht ein Prinzip des Misstrauens bestehen, kein klein gegen groß, kein Ost gegen West. Genau da arbeiten wir dran. Es kostet viel Energie, man muss viel kommunizieren, weil in der Vergangenheit Vertrauen verloren gegangen ist. Zwei Jahre lang gab es keine Führung, dadurch haben sich Verantwortlichkeiten verschoben, die damit nicht mehr der Satzung entsprechen. Aber es ist unser Ziel die Verantwortlichkeiten wieder zu ordnen, es gibt viel aufzuräumen.

Parallel dazu haben wir schon Projekte angeschoben, wie die Satzungskommission und eine Bildungskommission, ein Mangel, den ich selbst jahrelang beklagt habe.

 

BV: Welche Ziele willst du vorrangig anpacken?

Marco Troll: Bildlich ausgedrückt sehe ich zwei Säulen, die beide sehr wichtig sind, Zum einen ist es der Leistungssport, der finanziell sehr unterstützt wird und der in der Öffentlichkeit hohes Ansehen genießt. Dieser Bereich ist gut organisiert. Mir geht darum, den Breitensport mehr zu fördern. Dieser Sektor des Schwimmsportes ist unglaublich vielfältig. Es müssen neue Konzepte dafür entwickelt werden, die das Freizeitverhalten, die Gesundhaltung und neue Ausbildungsstandards mit einbeziehen. Dazu gehört der Seniorensport, die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, grundsätzlich das „Schwimmen lernen“. Ob das in der Schule oder im Verein geschieht – Hauptsache, die Kinder lernen schwimmen.

BV: Was für Ideen dazu gibt es?

Marco Troll: Momentan befinden wir uns in einer ganzen schwierigen Situation. Durch Corona liegt gerade das Vereins- und Schulschwimmen darnieder. Manche Schwimmbäder sollen wegen den Finanzen überhaupt geschlossen bleiben. Wegen Corona ist derzeit kein Schwimmen möglich. Die Ausnahme bilden Kaderathleten und die Bundesliga der Schwimmer, die noch trainieren dürfen. Die Schulen dürften eigentlich Schulschwimmen durchführen, aber da die Bäder zu, können sie es nicht. Das Vereinsschwimmen, das heißt auch die Jugendausbildung, ist momentan nicht möglich. Da, wo alles organisiert ist und die Hygienemaßnahmen eingehalten werden, die dürfen nicht trainieren, aber die Schulen könnten ihre Schüler*innen in die Schwimmbäder schicken. Da beißt sich was, wie an vielen anderen Stellen auch.

Wie will ich das umsetzen? Der Breitensport ist beim DSV noch nicht vertreten. Im Gegensatz zu früher sollen finanzielle Maßnahmen wie Beitragserhöhungen nicht in den Leitungsbereich fallen, sondern dem Breitensport zugutekommen. Das Geld soll für neue Personalstellen im Deutschen Schwimm-Verband eingesetzt werden.

Viele Projekte, Entwicklungen, und Ideen aus den Landesverbänden können beim Aufbau des Breitensports eingebunden werden.

BV: Der Leistungssport hat durch die großen Wettkämpfe einige Stars gehabt. Fehlt dem Schwimmsport jetzt der Glamour-Faktor?

Nein, die Stars sind nicht das Wichtigste, aber es sind durchaus Vorbilder. Bei den Wettkämpfen besteht immer großes Interesse für Zuschauer, der Anreiz ist da. Der Sport ist ästhetisch, attraktiv und spannend.

Ich möchte an den anderen Bereich herangehen. Das weite Gebiet „Schwimmen lernen“. Wenn sich ehemalige Schwimmstars wie Franziska van Almsick oder Topschwimmer wie Michael Groß dafür aussprechen, wie wichtig Anfängerschwimmen ist, dann brauchen wir genau diese Vorzeigesportler, als Vorbilder und Unterstützung für den Ausbau des Breitensports.

BV: Du stehst an der Spitze eines großen Verbandes. Würdest du dich als Teamplayer bezeichnen?

Marco Troll: Total! Anders funktioniert das nicht. Die Tätigkeit kostet Energie und Zeit. Aber die Arbeit macht mir Spaß. Wenn ich etwas mache, dann richtig.

Genau an diesem Punkt hat sich die Frage entschieden, stelle ich mich zur Wahl als DSV Präsident. Ja – aber nur mit Team. Die Chemie, das soziale Miteinander und die Fachkompetenz stimmen. In den wenigen Wochen seit unserer Wahl, hat sich das zu 100 % bewährt. Meine drei Vizepräsidenten kommen aus verschiedenen Teilen Deutschlands und sind auf die anstehenden Fragen spezialisiert. Der Jurist aus Brandenburg, die Finanzexpertin aus Nordrhein-Westfalen und der bayerische Landespräsident übernimmt den Bereich Sport. Damit sind wir hervorragend mit allen Kompetenzen aufgestellt. Die Mannschaft stimmt!

 

 

Marco Troll

Marco Troll

DSv- Präsident und St. Georgener: Marco Troll

Foto: T. Müller

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