Fundstücke des Monats Juli

Im Mai 1920 schrieben zwei Bürger an den Bürgermeister in St. Georgen: „Es wird beantragt, die Errichtung einer Badeanstalt hier in Erwägung zu ziehen.“  Sie führen aus, dass es für eine 2700 Köpfe zählende Gemeinde absolut notwendig sei, ein Schwimmbad zu erstellen. Die Gemeindeverwaltung gab anderen Projekten Priorität; nicht zuletzt bremsten Inflation und die anschließende wirtschaftliche Entwicklung die Bemühungen um ein eigenes Freibad. Erst im August 1928 beschloss der Gemeinderat die Baukommission zu beauftragen die Platzfrage zu lösen und die Kosten zu ermitteln. Favorisiert wurde eine Wiese hinter der Salbmühle. Durch Aufstauen des Wassers aus dem Mühlebach ließe sich eine genügend große Wasserfläche schaffen. Da das Grundstück im Eigentum der katholischen Kirche war, strebte die Gemeinde einen Grundstückstausch an. Am 7. November 1929 schrieb das Erzbischöfliche Ordinariat an das Bürgermeisteramt St. Georgen: …Für die Veräußerung der Pfarrwiese … liegt ein kirchliches Interesse nicht vor. Gleichwohl sind wir bereit, der politischen Gemeinde St. Georgen in der Erstellung eines Volksbades entgegenzukommen und zur Übereignung des für die Badeanlage begehrten Grundstückes unsere Zustimmung zu erteilen, wenn uns die Zusicherung gegeben wird, dass bei Erstellung der Badeanstalt die Forderungen des christlichen Sittengesetzes beachtet werden, dass insbesondere für beide Geschlechter vollständig getrennte Baderäume erstellt werden. … Im Januar 1930 lag der Plan für die Baulichkeiten vor und im Juli 1930 konnte der wasserbauliche Teil in Betrieb genommen werden. Anfangs trennte eine hölzerne Wand den Bereich für Frauen und Männer. In der Zeitung Volkswacht machte man sich am 28.6.1930 über diese Trennwand lustig,:…“Männlein und Weiblein, alles klettert egal weg über die Holzlatten oder schwimmt unter ihnen durch. Pfui über sie! Also ein Bretterzaun pro forma!…“ Bereits 1931 aber, sehr zum Leidwesen – wohl nicht nur des Pfarrers von Merzhausen, der um die Moral seiner Schäfchen fürchtete, die im Nachbarort ins Bad gingen – war das St.Georgener Freibad zu einem Gemeinschaftsbad geworden.

Im Juli 1931 zerstörte ein Brand die Garderobenanlagen. Sie wurden nach Plänen des hiesigen Architekten Eugen Thoma – damals noch Student – so errichtet, wie wir sie heute antreffen.

In den 1990er Jahren, St. Georgen ist schon lange ein Stadtteil von Freiburg, sollte das Bad geschlossen werden – wegen „unhaltbarer hygienischer Zustände“. Der Bürgerverein mobilisierte die Bevölkerung, die in zahlreichen Aktionen auf das Anliegen des Schwimmbaderhalts aufmerksam machte. Unter Oberbürgermeister Rolf Böhme wurde das Schwimmbad wiedereröffnet, mit einem kleineren Becken, aber mit einer breiten Rutsche und weiteren Spiel- und Sportmöglichkeiten.

Seit 91 Jahren ist das Schwimmbad nun schon eine unverzichtbare Freizeiteinrichtung in St. Georgen.

©T. Müller

Alle Fotos: BV Frbg-St.Georgen

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