Die Vergangenheit ergründen-Kirchen- und Familienbücher in St. Georgen

Die Vergangenheit ergründen – Kirchen- und Familienbücher in St. Georgen

Die Geschichte seiner eigenen Familie im Heimatorte St. Georgen hat Peter Koch schon immer interessiert. Für ihn begann alles mit Gesprächen mit den Älteren über Verwandtschaftsverhältnisse und Familienverbindungen.

Aber jede derartige Ahnenforschung gerät an ihre Grenzen, wenn man sich tiefer in die zurückliegenden Jahre und Jahrhunderte arbeiten will. Die wichtigste Informationsquelle für Ahnenforscher sind die Kirchenbücher, also Bücher in denen Taufen, Eheschließungen und Todesfälle chronologisch aufgelistet wurden. Gelegentlich finden sich dort auch stichwortartige Hinweise auf Katastrophen wie z.B. Kriege oder persönliche Schicksalsschläge, wie „wurde auf dem Feld vom Blitz erschlagen“.

Die Kirchenbücher zu führen wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts Pflicht. In der Pfarrei St.Georg begann Vikar Johann Enderlin 1683 mit der Aufzeichnung. Das erste der Kirchenbücher, der „Catalogus“ umfasst die Jahre 1683 bis 1732 und ist unterteilt in Taufbuch, Ehebuch und Sterbebuch und enthält zusätzlich Listen von Firmlingen, die damals noch Konfirmanten genannt wurden.

Diese Bücher wurden bis in die Gegenwart handschriftlich geführt und sind für Ahnenforscher dadurch von unschätzbarem Wert.

Mit Vinzenz Zahn wirkte 1810 – 1825 in St.Georgen ein Priester mit außerordentlich großem geschichtlichem Interesse. Neben seiner seelsorglichen Tätigkeit trug er alles damals noch verfügbare Wissen über die Häuser und Familien in St.Georgen zusammen. Er erstellte auch den ältesten bekannten Ortsplan der alle damals existierenden Gebäude zeigt. Dieses Wissen ist in drei dicken Familienbüchern zusammengefasst. Damit verfügt die Pfarrei St.Georgen über einen zweiten äußerst wertvollen historischen Schatz.

Bei seinen genealogischen Recherchen wurde Peter Koch schnell klar, dass Durchsehen und Blättern die alten Bücher immer rascher zerstören würden. Besonders der bereits über dreihundert Jahre alte „Catalogus“ hat schon sehr stark gelitten. Die nahezu 200 Seiten handgeschöpftes Papier, mit Federkiel und Tinte beschrieben, sind in bedauernswertem Zustand. Aber der Inhalt der Kirchenbücher soll auch weiterhin für jeden zugänglich sein!

So entschloss er sich, zum Schutz der einzigartigen Dokumente, alle zu fotografieren, an manchen Tagen über 600 Seiten, und somit für weitere Generationen ihre Familien- und Dorfgeschichte einsehbar, greifbar und benutzbar zu machen. Bei der Fülle des Materials ist gegenwärtig noch längst nicht alles digitalisiert.

Die eigentliche Arbeit beginnt aber erst jetzt. Peter Koch kann das Material nun zwar zerstörungsfrei betrachten und bei Bedarf auch vergrößern. Das Lesen fällt aber dennoch schwer: es gab in früheren Zeiten keine einfach zu lesenden Einheitsschrift, sondern sehr viele verschiedene Schreibweisen. Ein und derselbe Buchstabe hatte völlig verschiedene Konstruktionsarten, je nach Zeit und Schreiber. Außerdem gab es lange Zeit auch keinen „Duden“, also keine verbindliche Rechtschreibung.

Die Vielfalt der Vornamen und Namen in ihren verschiedenen Ausprägungen, Schreibweisen und Veränderungen im Lauf der Zeit ist erstaunlich. Sie ist aber auch verständlich, wenn man bedenkt, dass die Bevölkerung mehrheitlich weder lesen noch schreiben konnte und natürlich auch „breitesten“ Dialekt sprach. Es ist also nicht verwunderlich, dass die Familiennamen allerhand Verwandlungen unterworfen waren.

Ein Beispiel aus demk Catalogus: Am 20 Mai 1695 wurde Quirin Treyer genannt. In den kommenden 25 Jahren erfährt sein Nachname folgende Variationen: Treyer, Treer, Dreyer, Treier, Dreer, Tryer. Es scheint aber, dass es sich dabei nur um Vater und Sohn handelte, und dass der oben genannte und Maria Stayertin/ Steigertin um 1700 Eheleute waren.

Auch die Monatsangaben sind uneinheitlich und irreführend, denn es gab eine Zeit, in der das Jahr mit dem 1. März begann. Dadurch erklärt sich, dass z.B. mit 21.7br. 1713 nicht der 21. Juli, sondern der 21 September gemeint ist.

Leider enthält der „Catalogus“ viele, teilweise auch große Lücken; die Pfarrei war wohl nicht permanent mit Geistlichen besetzt. Es finden sich oft über mehrere Monate hinweg keinerlei Einträge. So sind für das Jahr 1703 lediglich 9 Taufen aber keine Eheschließungen oder Todesfälle eingetragen. Zum Vergleich das Jahr 1724: 55 Taufen, 13 Eheschließungen und 26 Todesfälle.

Mit viel Mühe ist es Peter Koch mittlerweile gelungen den gesamten „Catalogus“ zu lesen und in ein Tabellenwerk zu übersetzen. Daneben sind schon große Teile des I.Familienbuchs von Pfarrer Zahn, des sogenannten Häuserbeschriebs transkribiert. Das II.Familienbuch ist auch in Bearbeitung und wird in eine große Datenbank überführt, die ersten tausend Namen mit persönlichen Daten und ihren familiären Beziehungen sind schon übertragen.

Sein Anliegen war, die eigene Familiengeschichte zu enträtseln und der Wunsch, die empfindlichen alten Dokumente schadlos anderen Interessierten zugänglich zu machen. Vielleicht werden nun auch andere St. Georgener neugierig auf die Geschichte ihres Hauses oder Verwandschaftsbeziehungen. Vielleicht findet sich sogar die/der eine oder andere Helferin/Helfer für das Füttern der Datenbank.

Peter Koch stellt sein (noch unvollständiges) Wissen und sein Material gerne zur Verfügung. Der Bürgerverein St. Georgen stellt den Kontakt gerne her. A.E.

Bei Interesse bitte eine Email an info@bv-fr-st-georgen.de

Link zu den Beispielbildern und Beschreibungen aus Familienbuch1-Häuserbeschrieb:

 

Zu den Bildern aus Familienbuch 2:
Zu den Bildern aus Catalogus: